Pferde reagieren empfindlicher auf ein erhöhtes Selenangebot als Wiederkäuer oder Schweine. In Europa verläuft die Selenvergiftung meist subakut bis chronisch mit Latenzzeiten von 20 Tagen oder länger.
Vergiftungserscheinungen wurden nach dem Füttern selenreicher Futtermittel oder durch selenreiches Trinkwasser wie auch eine fälschlich zu hohe Nährstoffverabreichung verzeichnet. Durch Störung der Keratinbildung kommt es zu Haarausfall und Huf- oder Klauenmissbildungen. Akute Vergiftungen können einen vaskulären Schock auslösen.
Bei chronischen Vergiftungen, dem sogenannten 'Alkali disease' stehen ein schlechter Allgemeinzustand, der Ausfall des Langhaares und Hufveränderungen im Vordergrund. Die subakute Vergiftung, auch 'blind stagger' genannt, geht mit Ataxie und Sehstörungen bis zur Erblindung einher. Die in Deutschland seltene Form der Selenose verursacht plötzlichen Kollaps und Tod nach Herzinsuffizienz.
Die Haar- oder Fellanalyse weißt auf chronische Belastungen, Blutuntersuchungen auf akute Intoxikationen.
Die optimale Dosierung von Selen für Hunde ist umstritten, da es keine eindeutigen Studien dazu gibt. Die empfohlene Tagesdosis von Selen für Hunde liegt laut dem National Research Council (NRC) bei 0,5 µg pro Kilogramm Körpergewicht. Die maximale tolerierbare Dosis von Selen für Hunde liegt laut dem NRC bei 0,9 µg pro Kilogramm Körpergewicht. Diese Werte gelten jedoch nur als Richtwerte und können je nach individuellen Faktoren wie Alter, Gesundheitszustand, Aktivität und Ernährung des Hundes variieren. Sportliche Hunde oder solche, die hohen Umweltbelastungen ausgesetzt sind, haben möglicherweise einen höheren Bedarf. Außerdem ist zu beachten, dass die Bioverfügbarkeit und die Toxizität von Selen von der Form abhängen, in der es zugeführt wird.
Selen ist nicht gleich Selen. Experten unterscheiden verschiedene Verbindungen, die insbesondere über die Bioverfügbarkeit entscheiden. Zur Erinnerung: Die Bioverfügbarkeit bestimmt darüber, wie gut ein Organismus einen Nährstoff aufnehmen kann. Organisches Selen ist besser verträglich und sicherer als anorganisches Selen.
Selen wird für wichtige Körperfunktionen benötigt wie z.B. für die Bildung des Enzyms Glutathionperoxidase, das freie Radikale unschädlich macht und so die Zellen vor oxidativem Stress schützt. Das wiederum schützt vor Entzündungen, frühzeitigem Altern und Krankheiten wie Krebs oder Arthritis. Selen reguliert auch Schilddrüsenhormone, die den Stoffwechsel, das Wachstum und die Entwicklung des Hundes beeinflussen. Die Qualität der Spermien sowie die Gesundheit der Eierstöcke werden von diesem Spurenelement unterstützt
Bei starker Selenbelastung tritt der typische knoblauchartige Geruch bzw. Geruch nach faulem Rettich auf, bedingt durch die Bildung von Dimethylselenid. Notwendig für die Diagnose einer Selenintoxikation gehört zur tierärztlichen Untersuchung einer Selen-Blutuntersuchung.
Die Fellanalytik ist dann von Vorteil, wenn eine langanhaltende Überdosierung durch Futtermittel oder Supplemente vermutet wird.